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„Stadtnatur kann’s! Gemeinsam lebenswerte und zukunftsfähige Städte gestalten“

2 Vorträge im SenckenbergMuseum

„Mehr Mut zur Wildnis“ und „Mähen mit Maß“! Vortragveranstaltungen der Reihe „Stadtnatur kann’s! Gemeinsam lebenswerte und zukunftsfähige Städte gestalten“ finden am 29. April und 6. Mai im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt statt.

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„Mehr Mut zur Wildnis“ und „Mähen mit Maß“!
Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Die Natur in der Stadt wird stark kontrolliert und reguliert. Großflächige standardisierte Grünpflegemaßnahmen erleichtern die Arbeit für alle Beteiligten. Sie gehen aber zulasten der Artenvielfalt und weiterer erwünschter Qualitäten des städtischen Grüns, die eine kleinteiligere Pflege benötigen würden. In zwei Vorträgen der Senckenberg-Reihe „Stadtnatur kann’s! Gemeinsam lebenswerte und zukunftsfähige Städte gestalten“ werden neue Herangehensweisen thematisiert. Sie zeigen, wie die Stadtnatur durch das bewusste Zulassen von mehr Wildnis und angepasste Mahdmethoden deutlich mehr Wirkung entfalten kann – für uns Menschen, für die Klimaanpassung und für die Artenvielfalt.
 
Vortrag: „Neue Stadtnatur: Mehr Mut zur Wildnis – Spontanvegetation als Ressource der klimaresilienten Stadt“
Referent: Prof. Dr. Norbert Kühn (TU Berlin) am Mittwoch, 29. April, 19:30 Uhr. 
Der Klimawandel stellt Städte vor enorme Herausforderungen: Hitze, Trockenheit und Extremwetterereignisse verändern urbane Lebensbedingungen grundlegend. Gleichzeitig breitet sich eine nicht bei allen beliebte Form von Stadtnatur aus: Wildwuchs auf Brachflächen, „Unkraut“ an Wegrändern, spontanes Grün jenseits klassischer Gestaltungskonzepte. Der Vortrag plädiert für einen Perspektivwechsel und versteht diese „neue Stadtnatur“ als Chance. Anhand von Forschungsergebnissen und Praxisbeispielen zeigt Referent Norbert Kühn, welche ökologischen Funktionen wild wachsende Vegetation erfüllt, wie sie zur Kühlung, Wasserrückhaltung und Biodiversität beiträgt und warum sie besonders anpassungsfähig gegenüber klimatischen Veränderungen ist. Zugleich werden Fragen der Akzeptanz, Pflege und Planung diskutiert: Wie viel Kontrolle braucht Stadtnatur – und wie viel Offenheit? Und wie lässt sich durch Gestaltung mehr Akzeptanz für ungewohnte oft noch als Verwahrlosung wahrgenommene Formen der Stadtnatur schaffen? Der Vortrag lädt dazu ein, urbane Grünräume neu zu bewerten und Wildwuchs als Chance für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung anzuerkennen.

Der Landschaftsarchitekt und Vegetationsökologe Norbert Kühn leitet seit 2003 das Fachgebiet Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung an der TU Berlin. In seiner Forschung untersucht er unter anderem wie – insbesondere angesichts des Klimawandels – ein neuer Umgang mit spontaner Vegetation in den Städten aussehen könnte. Er plädiert dafür, die Entstehung neuer urbaner Ökosysteme anzuerkennen, die helfen, den Wandel zu verstehen und naturbasierte Lösungen für die Stadt der Zukunft zu entwickeln. 
 
Vortrag: „Mähen mit Maß – Wege zu insektenfreundlichem Stadtgrün“
Referentin: Prof. Dr. Nadja Simons (Universität Würzburg) am Datum: Mittwoch, 6. Mai, 19:30 Uhr
Die Pflege städtischer Grünflächen hat einen entscheidenden Einfluss auf die Insektenvielfalt. Insbesondere Mahdregime beeinflussen, ob Wiesen, Straßenränder oder Parks als Lebensraum dienen oder zur Falle für Insekten werden. Wichtige Faktoren sind Zeitpunkt, Höhe und Häufigkeit der Mahd sowie verwendete Geräte. Die Biologin Nadja Simons gibt in ihrem Vortrag einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse und zeigt anhand von Praxisbeispielen, wie sich insektenfreundliche Mahdkonzepte in Städten erfolgreich umgesetzt lassen – etwa durch Staffelmahd, Mosaikstrukturen oder extensiv gepflegten Flächen. Neben ökologischen Effekten werden auch organisatorische, gestalterische und kommunikative Aspekte beleuchtet: Wie lassen sich neue Pflegekonzepte in kommunale Abläufe integrieren? Wie kann Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen werden? Der Vortrag macht deutlich, dass bereits kleine Veränderungen in der Pflegepraxis große Wirkung entfalten und ein zentrales Instrument für mehr Biodiversität im urbanen Raum sein können – oft auch mit weniger Aufwand und Kosten.

Die Biologin Nadja Simons ist Juniorprofessorin für Angewandte Biodiversitätsforschung an der Universität Würzburg und erforscht hier die Rolle von Biodiversität in vom Menschen genutzten Lebensräumen. Ihr Fokus liegt insbesondere auf den Auswirkungen von Managemententscheidungen für die Tierwelt.
 
Ort: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, Arthur von Weinberg-Haus, Grüner Hörsaal, Robert-Mayer-Str. 2,  Frankfurt, sowie online.

Die Vortragsreihe „Stadtnatur kann’s!“ lädt dazu ein, urbane Natur neu zu denken und zeigt, wie vielfältig, überraschend und innovativ sie heute gestaltet wird. Vom winzigen Grün in Asphaltrissen zwischen Hochhäusern über Tiny Forests, essbare Städte und insektenfreundliche Grünflächen bis hin zu Schwammstadt-Konzepten und Bauen mit Bäumen – Experten aus Forschung und Praxis geben Einblicke in Strategien, neue Herangehensweisen und mutige Zukunftsbilder. Themen wie Gebäudegrün, soziale Gerechtigkeit, Gesundheit, Wildtiere in der Stadt und biodiversitätsfördernde Gestaltung erweitern den Blick auf urbane Lebensräume. Die Reihe zeigt: Stadtnatur ist mehr als nur Grün – sie ist Klimaanpassung, Oase für eine Vielfalt an Lebewesen, Gestaltungsspielraum, gesellschaftlicher Lernort und ein entscheidender Faktor für unsere Lebensqualität, jetzt und in Zukunft.

Die Reihe findet in Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences statt, im Rahmen des gemeinsamen World Design Capital-Projektes „HumanNature“. 
Ein weiterer Kooperationspartner der Reihe ist das Umweltforum Rhein-Main, Medienpartner der Vortragsreihe sind hrINFO und die Frankfurter Rundschau. 
 
Alle Informationen zu den Vorträgen, Referenten und Themen sowie zur Online-Teilnahmemöglichkeit via Zoom finden sich hier: www.senckenberg.de/reihe-stadtnatur  

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung  info@senckenberg.de