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Reusch im Gallustheater: Ein Abend im wohldosierten Wortrausch

Es war ein besonderer Samstag im Frankfurter Gallusviertel – einer, den einige der Anwesenden wohl noch lange in Erinnerung behalten werden. Der bekannte Radiomann und Wortakrobat Reusch gastierte im Vorraum des Gallustheaters und lieferte einen Auftritt, der eher nach großem Saal klang als nach kleinem Raum.

Reusch im Gallustheater - eine Mischung aus Schalk und analytischer Schärfe
Reusch im Gallustheater - eine Mischung aus Schalk und analytischer Schärfe
Foto: Foto: Helmut Poppe/frankfurtlive
Thomas Mann nach Reusch
Thomas Mann nach Reusch
Foto: Foto: Helmut Poppe/frankfurtlive
Reusch - erkennbar am roten R -  im Nachgespräch in kleiner Runde
Reusch - erkennbar am roten R - im Nachgespräch in kleiner Runde
Foto: Foto: Helmut Poppe/frankfurtlive

Doch genau das machte den Abend so besonders: die Nähe, die Direktheit, die intime Bühne für einen Künstler, der im Normalfall Tausende über den Äther erreicht.

Reusch, der auf Radiosendern seit Jahren Kultstatus genießt, führte sein Publikum durch Themen, die irgendwo zwischen Politik, Alltagskomik und feiner Beobachtung der deutschen Sprache pendeln. Sein Markenzeichen: Wortrausch, Wortwitz, Wortverdrehungen – und eine geschliffene Zunge, die selbst trockene Themen mit Humor tränkt. Besonders seine kleinen Ausflüge zu Merz oder März („mit gestrecktem Kopf und feuchter Lippe“, wie er es selbst nennt) sorgten für breites Schmunzeln und immer wieder für spontanen Applaus.

Dass der Abend im Vorraum stattfand, hatte seinen pragmatischen Hintergrund: Der große Saal wurde bereits für ein Kindertheaterstück am Folgetag vorbereitet. Gallus-Theaterchef Winfried Becker – der mit ruhiger Hand und viel Blick fürs Praktische agierte – entschied daher, den Foyer‑Bereich freizuhalten. Und dieser improvisierte Rahmen erwies sich letztlich als Glücksfall: ein Wohnzimmer mit Theaterschein, ein Rückzugsort mit Charakter.

Reusch nahm diesen Raum dankbar an. Er nutzte die Nähe zum Publikum für spontane Interaktionen, kleine Wortgefechte und feine Schlagabtausche, die in einem großen Saal nicht die gleiche Wirkung entfaltet hätten. Seine Performance wirkte wie ein Gespräch unter guten Bekannten – nur dass einer davon eben ein Meister des gesprochenen Witzes ist.

Für das Gallustheater selbst war der Abend eine erneute Bestätigung: Es lohnt sich, immer wieder hierher zurückzukehren. Die Bühne – ob großer Saal oder Foyer – bietet eine Vielfalt, die von Schauspiel über Lesungen bis hin zu Kabarett reicht. Und gerade diese Mischung macht das Haus so wertvoll für die Frankfurter Kulturszene.

Wer künftig an der Galluswarte vorbeikommt, sollte daher nicht nur einen Blick Richtung Theater werfen sondern gleich eintreten. Denn Überraschungen wie dieser besondere Reusch‑Abend passieren hier häufiger, als man denkt.

Nette Bewirtung durch Heike Bonzelius, die das Haus gemeinsam führt in einer Doppelspitze.

Kommendes Programm

Die Mainsirenen mit »Schwuler Mann, was nun?«

Samstag, 07.03.2026, 20:00 Uhr – Eintritt 22/18 € – Gallustheater Frankfurt
Gastchor: „Aqueerious“

Die Mainsirenen, seit fast vier Jahrzehnten eine feste Größe der Frankfurter Kulturszene, stellen ihr neues Programm unter den provokanten Titel „Schwuler Mann, was nun?“. In ihrem aktuellen Bühnenprojekt gehen sie der Frage nach, wie eine queere Rede „zur Lage der Nation“ heute klingen könnte – und was sie über unsere Zeit erzählen würde.

Der Chor blickt dabei selbstkritisch auf sein eigenes musikalisches Erbe: Manche Lieder aus früheren Jahrzehnten wirken heute aus der Zeit gefallen, andere wiederum erscheinen aktueller denn je. Mit musikalischer Offenheit, ironischer Brechung und politischer Sensibilität untersuchen die Mainsirenen, wie sich queeres Selbstverständnis seit den 1990er‑Jahren verändert hat – und wohin es sich entwickeln könnte.

Ein zentrales Thema des Abends sind die zunehmenden Aggressionen gegenüber schwulen Männern. Diese kommen – so die Perspektive des Ensembles – nicht mehr ausschließlich aus rechten und religiös fundamentalistischen Milieus, sondern inzwischen gelegentlich auch aus Teilen der eigenen queeren Community. Diskussionen darüber, ob der Buchstabe „G“ im Kürzel LGBTQ+ überhaupt noch Platz habe, werfen neue Fragen auf und sorgen für interne Spannungen.

Das Programm versteht sich als künstlerische Antwort darauf: musikalisch, nachdenklich, humorvoll, aber auch mit klarer Haltung. Die Mainsirenen plädieren darin dafür, nicht nur gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen, sondern auch den eigenen Umgang miteinander – und formulieren damit einen Appell an Solidarität und Veränderungsbereitschaft.

Unterstützt werden sie an diesem Abend vom Gastchor „Aqueerious“, der mit seinem frischen Sound zusätzliche farbliche Akzente setzt.

Reservierung und weitere Informationen

Anfahrtstipp

Von der Innenstadt kommend empfiehlt sich folgende Route: Gegen 11 Uhr  an der Galluswarte nicht ganz links abbiegen, sondern die Spur zum Parkhaus ansteuern. Von dort sind es nur wenige Schritte bis zum Eingang des Gallustheaters.