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Das Festival der Jugendorchester

Samstag, 25. April, bis Montag, 27. April in der Alten Oper

Die nächste Generation stellt sich vor: Mit einem neuen Festival gibt die Alte Oper Frankfurt erstmals internationalen Jugendorchestern Raum. Unter dem Motto „Podium Zukunft“ hat die Alte Oper von Samstag, 25. April, bis Montag, 27. April 2026, junge Orchester aus drei Kontinenten zu Konzerten eingeladen.

NEOJIBA Orchestra
NEOJIBA Orchestra
Foto: Beatriz Menesis
LJSO
LJSO
Foto: Nico Vondung
MIAGI Orchestra
MIAGI Orchestra
Foto: Fotonick.de/Axel Nickolaus/MIAGI

Zum ersten Mal in Frankfurt sind dabei sowohl das aus Brasilien stammende, bereits weltweit gefeierte NEOJIBA Orchestra als auch das ebenfalls international erfolgreiche südafrikanische MIAGI Orchestra zu erleben – zwei Exzellenzorchester, die aus ambitionierten, großdimensionierten Bildungsprojekten hervorgegangen sind. Zu Gast sind aber auch das Berliner Integrationsprojekt Hangarmusik, das niederländische Nationaal Jeugd Jazz Orkest und mit dem Landesjugendsinfonieorchester Hessen und der Frankfurter Schulphilharmonie – einem Zusammenschluss verschiedener Frankfurter Schulorchester – zwei lokale Formationen. 

Die Konzerte werden flankiert durch ein umfangreiches Rahmenprogramm unter anderem mit innovativen Konzertformaten, einer Virtual Reality-Erfahrung und einem offenen Instrumentenworkshop. In mehreren Diskursformaten kommen zudem Experten sowie die jungen Musiker selbst zu Wort, wenn es um Überlegungen rund um die Herausforderungen und die Zukunft des Konzertbetriebs geht: Welche Traditionen empfinden junge Orchester als überholt, was muss sich ihrer Meinung nach in der Klassikwelt verändern? Inwieweit können Orchester pädagogische oder gesellschaftliche Aufgaben übernehmen? 

Das Festival soll künftig alle zwei Jahre stattfinden.

„Dieses Festival ist für uns eine wunderbare Gelegenheit, den Blick zu weiten“, sagt Intendant Dr. Markus Fein. „Die Alte Oper versteht sich als ein Haus, das die Zukunft des Konzertbetriebs aktiv mitdenkt. Unter dem Leitmotiv ‚Zukunftshaus Alte Oper‘ erproben wir stetig neue Formate der Vermittlung von Musik im Konzertsaal. Umso bereichernder ist es, wenn nun erstmalig in der Geschichte der Alten Oper im Rahmen eines Festivals Jugendorchester aus aller Welt zu uns nach Frankfurt kommen und unser Haus in einen quicklebendigen Ort verwandeln – voller Spielfreude, mit neuen Ideen und dem Mut, Dinge anders zu denken. Ich freue mich auf drei intensive Festivaltage mit lebendigem Austausch, neuen Anregungen, viel Musik – und darauf, junge Musiker von Frankfurt bis Kapstadt bei uns zu begrüßen und ihnen ein Podium zu geben.“

Möglich wurde das Festival durch die exklusive Förderung der Willy Robert Pitzer Stiftung, die zudem Hauptförderer des PEGASUS-Programms der Alten Oper ist. Welche Rolle dem gemeinsamen Musizieren in der Entwicklung junger Menschen zukommt, unterstreicht Dr. Helmut Häuser, Vorstandsvorsitzender der Willy Robert Pitzer Stiftung: „Junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und sich für sie stark zu machen, ist ein zentrales Anliegen unserer Stiftung. Dass musikalische Teilhabe und Aktivität sich positiv auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, etwa im Hinblick auf Kreativität und soziales Denken, auswirken, ist wissenschaftlich hinlänglich belegt. Das neue Jugendorchesterfestival der Alten Oper lädt junge Musikerinnen und Musiker zum Austausch ein. Es wirkt und fördert dadurch weit über das eigentliche Festival hinaus.“

Samstag, 25. April 2026, 19.00 Uhr ▪ Großer Saal 
NEOJIBA ORCHESTRA 
RICARDO CASTRO Klavier, Leitung 
George Gershwin Cuban Overture, Rhapsody in Blue 
Heitor Villa-Lobos Naufrágio de Kleônics 
Wellington Gomes Sonhos Percutidos 
Mestre Duda Suite Nordestina 
Arturo Márquez Danzón No. 2 

Im Anschluss ▪ Mozart Saal 
NATIONAAL JEUGD JAZZ ORKEST 
REINIER BAAS Leitung 
Eintritt frei, Einlass mit Ticket für das Konzert im Großen Saal 

Klassik, Jazz und lateinamerikanische Rhythmen bestimmen den ersten Tag des Festivals „Podium Zukunft“. Der Auftakt, das Konzert am Samstag, 25. April 2026, um 19.00 Uhr, gebührt dem aus Brasilien angereisten NEOJIBA Orchestra. Das Exzellenzorchester, das aus der Initiative „Núcleos Estaduais de Orquestras Juvenis e Infantis da Bahia“ hervorgegangen ist, hat sich bereits weltweit in mehr als 300 Konzerten einen Namen gemacht. Zu ihrem Frankfurt- Debüt bringen die ca. 100 Talente zwischen 13 und 27 Jahren ein klangfarbenstarkes Programm in den Großen Saal der Alten Oper – mit Werken nord- und südamerikanischer Komponisten von George Gershwin bis Arturo Márquez. Die Leitung hat der brasilianische Dirigent und Pianist Ricardo Castro. 

Unmittelbar im Anschluss stellt sich das Nationaal Jeugd Jazz Orkest im Mozart Saal dem Festivalpublikum vor. Das niederländische Kollektiv versteht sich als Bigband für junge Menschen – die Musiker sind bis 26 Jahre alt. Unter der Leitung des Gitarristen und Komponisten Reinier Baas geben die jungen Musiker einen Einblick in ihr Programm, mit Stücken, die sie selbst arrangiert oder komponiert haben und die ein Spektrum von Avantgarde bis zu tanzbaren Grooves abdecken.

Sonntag, 26. April 2026 
11.00 Uhr ▪ Großer Saal 
FRANKFURTER SCHULPHILHARMONIE 
NICOLAI BERNSTEIN Leitung 
Jean Sibelius Finlandia op. 26 
Dmitri Schostakowitsch Walzer Nr. 2 aus: Suite für Varieté-Orchester 
Franz Schubert Allegro moderato aus: Sinfonie h-Moll D 759 „Unvollendete“ 

15.30 Uhr ▪ Mozart Saal 
HANGARMUSIK 
LEILA WEBER Leitung 
SARAH LÄNGLE Sopran 
Werke von Mahler, Rameau, Sibelius und anderen 
Eintritt frei, Einlass mit Ticket für eines der beiden Konzerte des Tages

19.00 Uhr ▪ Großer Saal 
LANDESJUGENDSINFONIEORCHESTER HESSEN 
ROC FARGAS I CASTELLS Leitung 
JON URDAPILLETA Klavier 
MUSIKER DES LJSO UND NINA PAUL Inszenierung 
Felix Mendelssohn-Bartholdy Ouvertüre zu „Ein Sommernachtstraum“ 
Manuel de Falla Noches en los jardines de España 
Sergej Rachmaninow Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27
Lokale und regionale Orchester setzen die Eckpfeiler des zweiten Festivaltags. Am Sonntag, 26. April 2026, richtet sich der Blick zunächst auf die Frankfurter Schulorchesterszene. Eigens für das Festival haben sich die Schulorchester der Bettinaschule, der Elisabethenschule, der Wöhlerschule und des Gymnasium Nord zur Frankfurter Schulphilharmonie zusammengeschlossen und über ein Schulhalbjahr hinweg ein Programm einstudiert. Im Konzert um 11.00 Uhr im Großen Saal fügen sich die Stimmen unter der Leitung von Nicolai Bernstein zum voll besetzten Projektorchester zusammen und bringen die Tondichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius sowie Werke von Schostakowitsch und Schubert zu Gehör.

Zum umfangreichen Zusatzprogramm über den gesamten Sonntag hinweg (Details siehe unten) zählt auch ein Auftritt des Berliner Projekts „Hangarmusik“ unter der Leitung von Leila Weber. Um 15.30 Uhr stellt sich die Initiative, die sich der Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher durch gemeinschaftliches Musizieren im Orchester widmet, mit Werken von Gustav Mahler, Jean-Philippe Rameau, Jean Sibelius und anderen vor. 2016, nachdem mehr als 3.000 Geflüchtete in den Hangars des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof in einer Notunterkunft untergebracht wurden, wurde dieses Projekt von Leila Weber gegründet – als Schutzraum für Kinder und Jugendliche, die gemeinsam das Spielen von Streichinstrumenten erlernen und in den wöchentlichen Proben klassisches Orchesterrepertoire erarbeiten.

Mit einem Experiment bestreitet das Landesjugendsinfonieorchester Hessen um 19.00 Uhr im Großen Saal den Abendtermin. Die Musiker im Alter zwischen 13 und 19 Jahren gestalten die erste Konzerthälfte unter der Leitung des spanischen Dirigenten Roc Fargas I Castells nach den gängigen Konventionen des Konzertbetriebs, die zweite hingegen innovativ mit einer eigens für den Abend entwickelten Inszenierung. Die Konzertbesucher können am Ende selbst für sich entscheiden, welche Traditionen und Rituale ihnen wichtig sind und welche sie womöglich als überholt erachten – und wie reizvoll sie neue Settings und Formate empfinden. Auf dem Programm stehen Rachmaninows zweite Sinfonie sowie Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Manuel de Falla.

Montag, 27. April 2026 ▪ 20.00 Uhr ▪ Großer Saal 
MIAGI ORCHESTRA 
DAVID PANZL Leitung 
George Walker Lyric for Strings 
David Panzl The Soweto Protocol 
Leonard Bernstein Prelude, Fugue & Riffs 
Viwe Mkizwana Black Child 
Gideon Nxumalo Jazz Fantasia 
Joe Zawinul Birdland

Mit einem außergewöhnlichen Orchesterprojekt aus Südafrika wird am Montag, 27. April 2026, das Festival beschlossen. Zu Gast um 20.00 Uhr im Großen Saal ist – erstmals in Frankfurt – das MIAGI Orchestra unter der Leitung von David Panzl. „Music is a great investment“ lautet der Leitspruch hinter der Initiative, die 2001 durch den südafrikanischen Sänger Robert Brooks und die finnische Pianistin Ingrid Hedlund ins Leben gerufen wurde. Und so verbindet sich mit der Mitgliedschaft im Orchester für die knapp 50 jungen Musiker aus allen sozialen Schichten und Regionen Südafrikas eine wichtige Zukunftschance. Im Rahmen von Tourneen ist das Orchester bereits mehrfach in ganz Europa aufgetreten. Zu seinem Debüt in der Alten Oper bringt das Orchester unter anderem Musik des „Brückenbauers“ Leonard Bernstein sowie Werke südafrikanischer Komponisten mit.

DAS RAHMENPROGRAMM
Flankiert werden die ersten beiden Festivaltage durch ein umfangreiches Rahmenprogramm:
Podiumsgespräche im Liszt Salon – Samstag, 25. April, und Sonntag, 26. April 
An den beiden ersten Festivaltagen wird auf dem Podium im Liszt Salon die Rolle und Bedeutung von Orchestern als gesellschaftliche Akteure erläutert. Initiatoren internationaler Projekte und Musikpädagogen sprechen über Musik als Motor sozialer Veränderung, Integration und Bildung. Im Fokus stehen Potenziale von Orchestern als „Trainingsräume“ für Gemeinschaft. 

KI-Labor im Schumann Salon – Samstag, 25. April, und Sonntag, 26. April 
Um die Möglichkeiten KI-generierter Musik geht es im KI-Labor im Schumann Salon. Das Format setzt sich dabei mit einem zentralen Zukunftsthema der Kreativwelt auseinander: Kann KI kreative Leistungen ersetzen? Die Vorführung verbindet KI-generierte Musik mit live gespielter bzw. menschlicher Musik. So wird sichtbar, was technisch bereits möglich ist, aber auch, welche Grenzen KI hat. Das Format lädt ein, Potenziale und Wirkungen von KI auf Musik selbst zu entdecken und zu reflektieren. 

Echo Theory im Albert Mangelsdorff Foyer – Samstag, 25. April, und Sonntag, 26. April 
Das Ensemble Echo Theory präsentiert am Samstag und Sonntag ein innovatives Konzertformat zwischen Kammermusik, Elektronik und Stimmenvielfalt. Als Siegerformat des HUGO-Wettbewerbs, dem großen internationalen Wettbewerb für neue Konzertformate, weiterentwickelt, spielt das Projekt mit Tradition und Innovation, Musik und persönlichen Reflexionen. Die für das Festival entwickelte Version verbindet Stimmen von Musikern aus Brasilien, Südafrika, Deutschland und den Niederlanden zu einem „lebendigen Archiv menschlicher Verbindung“. 

Beethoven 360° im Hertie Foyer – Sonntag, 26. April 
Beethoven 360° ist ein interaktives Virtual-Reality-Game, das Beethoven überraschend in die Gegenwart versetzt. Mit VR-Brille und Kopfhörern tauchen Besucher bei diesem game-basierten Bildungsprojekt in eine 360°-Welt ein und steuern selbst das Geschehen: Als Coach begleiten sie den jungen Beethoven durch ein Rap-Battle. Ein spielerischer, immersiver Zugang zu Leben und Werk des Komponisten. 

Instrumentenworkshop im Wintergarten E6 – Samstag, 25. April, und Sonntag, 26. April 
Unter Anleitung angehender Profis können alle Interessierten – Groß oder Klein – klassische Orchesterinstrumente ausprobieren. 

Backstage & Beyond im Clara Schumann Foyer – Samstag, 25. April, und Sonntag, 26. April 
Im Clara Schumann Foyer ist Raum für Begegnungen zwischen Publikum und Musikern der beteiligten Orchester. Wer auf einem der „Conversation Chairs“ Platz nimmt, signalisiert Gesprächsbereitschaft, Dialogkarten erleichtern den Einstieg. Am Samstagabend wird zudem ein DJ für entspannte Clubatmosphäre sorgen.

www.alteoper.de/podium-zukunft