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Neues zu Gehirnaktivitäten

Haben Komapatienten mehr Bewusstsein als gedacht?

Was können Menschen mit schweren Hirnschäden noch wahrnehmen? Was geht im Gehirn von Komapatienten vor sich? Aktuelle Studien geben Hinweise darauf, dass es bei einigen mehr sein kann, als viele Jahre lang angenommen wurde: dass ihre Gehirne tatsächlich weiter kognitiv arbeiten. Internationale Experten diskutieren die neuesten Erkenntnisse zum Thema „Coma: Inside and outside the box“ bei der ANIM 2026, dem größten Kongress zur NeuroIntensivmedizin in Europa vom 5.-7. Februar in Dortmund. Tagungsleiter ist Prof. Dr. Oliver Müller.

 Aufsehen erregte eine große, über mehrere Jahre durchgeführte und 2024 im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie. 25 Prozent der untersuchten Komapatienten zeigten auf die Anweisung, sich vorzustellen, eine Hand zu öffnen und zu schließen oder eine Sportart auszuführen, minutenlang entsprechende Hirnaktivitäten. Aufnahmen funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) und Elektroenzephalographie (EEG) belegten die Reaktionen bei 60 von 241 Teilnehmern.

Unter dem Titel „Coma: Inside and outside the box“ werden neue Forschungsergebnisse zum Thema Koma nach akuter Hirnschädigung auf der Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin, ANIM 2026 präsentiert. Erst seit kurzem werden komatöse Patienten mit „cognitive-motor-dissociation“ beschrieben, die nicht auf äußere motorische Reize reagieren, bei denen es aber Hinweise auf ein erhaltenes Bewusstsein gibt. Dieses Phänomen wird in dem Symposium ausführlich beleuchtet. Während das Koma bisher als ein Zustand kompletter Bewusstlosigkeit definiert wurde, belegen nun neuere Studien, dass einige Komapatienten zwar nicht mit Sprache oder Bewegung auf verbale Anweisungen reagieren, diese aber hören und verstehen können. Prof. Dr. Kirsten Möller, Kopenhagen, geht davon aus, dass etwa 15 Prozent der Komapatienten bei Bewusstsein sind, dies aber nicht mitteilen können. Mit Hilfe von EEG und anderen computergestützten Techniken zur Hirnüberwachung identifiziert Dr. Jan Claassen, MD, von der Colombia University in New York Patienten mit schweren Hirnverletzungen, die bewusstlos wirken, deren Hirnaktivität aber einen wachen Zustand zeigt. Ziel der Studien ist es, diejenigen herauszufinden, die ihr Bewusstsein wiedererlangen können.

Es sind noch viele Fragen offen. Haben Komapatienten mit verborgenem Bewusstsein eine höhere Chance wieder aufzuwachen? Ist es vorstellbar, dass Patienten mit Bewusstseinsstörungen so klar und wach sind wie ein gesunder Mensch? Die aktuellen Studien deuten darauf hin, dass mehr bewusstseinsgestörte Patienten als gedacht etwas von dem mitbekommen, was um sie herum vorgeht. Das wirft ein neues Licht auf die zentrale ethische Frage, wie lang eine Therapie bei Komapatienten fortgeführt werden sollte. Wird die Behandlung abgebrochen und das Beatmungsgerät abgeschaltet, so stirbt der Patient.