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KI‑gestützte Videoschutzanlagen in Frankfurt ausgeweitet

Neue Technik soll Sicherheit an Hauptwache und Konstablerwache erhöhen.

Hessen weitet den Einsatz KI‑gestützter Videoschutzanlagen in Frankfurt aus. Ab sofort kommen intelligente Videoanalysesysteme auch an der Hauptwache und der Konstablerwache zum Einsatz. Ziel ist es, die Polizeiarbeit bei der Gefahrenabwehr zu unterstützen und zugleich die Sicherheit im innerstädtischen Raum zu erhöhen. Hessen ist damit bundesweit Vorreiter beim Einsatz Künstlicher Intelligenz in der polizeilichen Videoüberwachung.

Rechtliche Grundlage für diese Technologie ist die Modernisierung des hessischen Polizeirechts Ende 2024. Als erstes Bundesland hat Hessen damit den Einsatz von KI bei der Auswertung von Videoschutzanlagen ausdrücklich ermöglicht. Seit dem Sommer 2025 wird die Technik bereits im Frankfurter Bahnhofsviertel eingesetzt – insbesondere bei der gezielten Suche nach vermissten Personen, Opfern von Entführungen, Menschenhandel oder sexueller Ausbeutung sowie bei der Identifizierung von Gefahrenverursachern terroristischer Straftaten. Voraussetzung ist in allen Fällen ein richterlicher Beschluss.

Innenminister Roman Poseck bezeichnet den Ausbau als konsequenten Schritt zur Stärkung der Inneren Sicherheit. „Sicherheit ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für ein freies und selbstbestimmtes Leben“, erklärte Poseck. Der Einsatz moderner Technologien solle die Arbeit der Polizei unterstützen, ohne die Rechte der Bürgerinnen und Bürger zu verletzen. Entscheidend sei dabei, dass die letztendliche Bewertung immer beim Menschen liege und die Technik lediglich unterstützend wirke.

Der bisherige Einsatz der KI‑gestützten Videoanalyse wird vonseiten des Innenministeriums als Erfolg gewertet. So konnte mithilfe der Technologie eine vermisste 16‑Jährige nach richterlicher Anordnung in kurzer Zeit aufgefunden werden. Insgesamt wurde seit Beginn des Pilotbetriebs eine niedrige zweistellige Zahl an Fällen bearbeitet – darunter Vermisstenfälle, Opfer sexueller Ausbeutung und Personen, von denen eine erhebliche Gefahr ausging. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich dabei ausdrücklich nicht um eine flächendeckende Überwachung, sondern um gezielte Suchmaßnahmen im Einzelfall und zur Abwehr konkreter Gefahren für Leib und Leben.

Mit dem nun gestarteten KI‑gestützten Testbetrieb an Hauptwache und Konstablerwache reagiert das Land auf die besondere Sicherheitslage in stark frequentierten innerstädtischen Bereichen. Poseck betonte, er habe sich bei mehreren Besuchen selbst ein Bild der Situation vor Ort gemacht. Die sogenannte Innenstadtoffensive sowie die Besondere Aufbauorganisation (BAO) Zeil trügen bereits spürbar zur Verbesserung der Sicherheitslage bei. Dennoch bleibe Sicherheit eine Daueraufgabe, der man mit zeitgemäßen Mitteln begegnen müsse.

Aus der polizeilichen Praxis gibt es laut Innenministerium positive Rückmeldungen zum Einsatz der intelligenten Videoanalyse. Die Technik ermögliche es, große Datenmengen schneller auszuwerten und als zusätzliches Erkenntnismittel in immer komplexeren Einsatzlagen zu dienen. Dadurch könne die Reaktionsgeschwindigkeit der Polizei erhöht werden – insbesondere dort, wo menschliche Wahrnehmung an ihre Grenzen stoße.

Unabhängig vom KI‑Einsatz sieht das Land Videoschutzanlagen insgesamt als wichtigen Baustein seines Sicherheitskonzepts. Neben ihrer aufklärenden Wirkung bei Straftaten entfalteten sie auch eine präventive Wirkung. In mehreren Städten der hessischen Innenstadtoffensive seien deutliche Rückgänge bei bestimmten Deliktsarten zu verzeichnen, die unter anderem auf den Ausbau der Videoüberwachung zurückgeführt würden.

Darüber hinaus setzt Hessen Videoschutzanlagen gezielt an sensiblen Orten ein, etwa an der Westendsynagoge in Frankfurt oder in verschiedenen Bahnhofsbereichen. Dort gehe es nicht nur um objektive Kriminalitätsbekämpfung, sondern auch um das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen. „Sicherheit ist nicht nur eine Frage der Statistik, sondern vor allem eine Frage des Vertrauens“, so Poseck. Ziel sei es, Angst und Verunsicherung im öffentlichen Raum wirksam zu begegnen.

Klar sei jedoch auch: Videoschutzanlagen – mit oder ohne Künstliche Intelligenz – seien kein Allheilmittel. Sie müssten stets Teil eines umfassenden Maßnahmenbündels bleiben, um ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Mit der Ausweitung der KI‑gestützten Videoanalyse an zentralen Frankfurter Plätzen setze Hessen dennoch ein deutliches Signal für einen technologiegestützten, zugleich rechtsstaatlich kontrollierten Sicherheitsansatz.