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Hautkliniken weltweit führend

Spitze in der Krankenversorgung und Forschung

Deutsche Hautkliniken zählen seit Jahrzehnten zur internationalen Spitze. Sie verbinden eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung mit exzellenter Forschung und einer starken akademischen Nachwuchsförderung. Was die besonderen Stärken des Standorts Deutschland sind, wie sektorenübergreifende Zusammenarbeit die hohe Versorgungsqualität stärkt und was notwendig ist, um diese Position langfristig zu sichern, diskutieren Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am 24. Februar zum Auftakt der DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah KoPra vom 26. bis 28. Februar in Leipzig.

In Deutschland gibt es eine hohe Prävalenz von Hautkrankheiten. Die über 6000  Dermatologen, die als Niedergelassene oder an Kliniken tätig sind, versorgen pro Jahr etwa 21 Mllionen Menschen mit Hauterkrankungen. Dieser Bedarf an dermatologischer Behandlung wird weit überwiegend ambulant gedeckt. Die Anzahl der aufgrund ihres Schweregrades stationär zu behandelnden Menschen mit Hautkrankheiten ist jedoch beträchtlich und die Breite des Faches mit Teilgebieten wie der Dermatoonkologie, Allergologie, Phlebologie und Dermatohistopathologie erfordert umfassende Fachkenntnis. „Insofern ist die Dermatologie keinesfalls ein kleines Fach, was vielfach angenommen wird“, betont Prof. Dr. med. Mark Berneburg, Tagungspräsident und Präsident der DDG. 

An den insgesamt 115 Hautkliniken, zu denen Universitätskliniken und nicht-universitäre Hautkliniken gehören, werden vor allem die besonders schweren Erkrankungen behandelt. Eine Besonderheit hierzulande ist, dass an den Hautkliniken Betten für bestimmte Patientengruppen bereitstehen. „Obwohl in der Dermatologie vieles ambulant geregelt werden kann, ist es bei schweren allergischen und entzündlichen Hautreaktionen, Autoimmunerkrankungen der Haut, Hauttumoren, bestimmten Infektionserkrankungen sowie chronischen Wunden zwingend indiziert, dass wir diese Patienten stationär betreuen“, betont Berneburg.

Hohe Versorgungsqualität: Breite Expertise, hohe Standards

Die Versorgungsqualität in deutschen Hautkliniken ist insgesamt sehr hoch. Charakteristisch sind eine flächendeckende klinische Infrastruktur und eine ausgeprägte Subspezialisierung – etwa in der Dermatoonkologie, Allergologie, Immundermatologie, operativen Dermatologie oder der pädiatrischen Dermatologie, was sich auch positiv auf die dermatologische Weiterbildung auswirkt. „Weiterbildungsassistenten sehen an unseren Kliniken sehr viele, auch schwere Erkrankungen. Das sorgt für eine große Expertise und zeugt von einem hohen Ausbildungsstand“, erklärt Berneburg, der als Direktor die Klinik und Poliklinik für Dermatologie am Universitsklinikum Regensburg leitet. Evidenzbasierte Leitlinien, zertifizierte Zentren (z. B. Hautkrebs-, Allergie- und Wundzentren) sowie interdisziplinäre Tumorboards tragen maßgeblich zur Behandlungsqualität bei. „Hinzu kommt der breite Zugang zu modernen Therapien, einschließlich innovativer Biologika und personalisierter Behandlungsansätze“, ergänzt der DDG-Präsident und schlägt damit den Bogen zum Thema Forschungskompetenz an Hautkliniken.

Translationale Forschung an deutschen Hautkliniken

Die dermatologische Forschung an deutschen Hautkliniken ist breit aufgestellt und international wettbewerbsfähig. Klinische Forschung, translationale Ansätze und Grundlagenwissenschaften greifen eng ineinander. Viele Innovationen entstehen direkt aus der klinischen Praxis. Hautkliniken stehen vor großen Herausforderungen. Den steigenden Patientenzahlen, schwindenden Ressourcen an Personal und Ausstattung steht der Anspruch gegenüber, exzellente Forschung und eine strukturierte Nachwuchsförderung zu gewährleisten. Förderprogramme, Clinician-Scientist-Modelle und verlässliche Karrierepfade sind daher zentrale Bausteine, um junge Dermatologen für Wissenschaft und Klinik gleichermaßen zu gewinnen. „Das können Kliniken nicht allein. Als wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft ist es unsere Aufgabe, diese Form von Forschungsförderung weiter auszubauen“, sagt Berneburg. 

So schreibt die DDG alle zwei Jahre ein (Advanced) Clinician Scientist Programm aus, an dem meist drei bis vier Clinician Scientists teilnehmen. Sie haben in einem definierten Zeitraum die Möglichkeit, an ihrer Klinik sowohl Patienten zu versorgen als auch zu forschen. „Forschung stärken“ ist zudem ein zentrales Handlungsfeld in dem Strategiepapier Dermatologie 2030, das DDG und BVDD gemeinsam entwickeln. „Die führende Rolle der deutschen Hautkliniken beruht auf der einzigartigen Verbindung aus exzellenter Patientenversorgung, international sichtbarer Forschung und einer starken akademischen Ausbildung. Diese Kombination macht Deutschland zu einem der weltweit führenden Standorte der Dermatologie“, fasst der DDG-Präsident zusammen.

Aktuell wird viel über Kosten und Kostenreduzierung diskutiert. „Das könnte sich negativ auf die Forschung und auf die Versorgung von Menschen mit schweren Hauterkrankungen auswirken“, meint Berneburg. Damit deutsche Hautkliniken auch in zehn Jahren weltweit führend bleiben, sind gezielte Weiterentwicklungen notwendig. Dazu zählen eine auskömmliche und leistungsorientierte Finanzierung der stationären Medizin, der weitere Ausbau digitaler und sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen, verlässliche Rahmenbedingungen für klinische Forschung sowie attraktive Arbeits- und Karrierebedingungen für den dermatologischen Nachwuchs.

Um die Versorgung von Menschen mit Hautkrankheiten überall in Deutschland sicherzustellen, wurde von BVDD und DDG gemeinsam das Hautnetz Deutschland e. V. gegründet. Hier arbeiten bereits bestehende Netzwerke flächendeckend zusammen und definieren Versorgungsziele, die für eine optimale Versorgung bei unterschiedlichen Hautkrankheiten erforderlich sind. „Nur wenn Versorgung, Forschung und Lehre gleichermaßen gestärkt werden, kann die deutsche Dermatologie ihre internationale Vorreiterrolle dauerhaft behaupten“, bilanziert Berneburg.