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Paulskirchenpreis geht an iranische Journalistin

Der erstmalig ausgelobte Europäische Paulskirchenpreis für Demokratie geht an Masih Alinejad. Sie ist eine iranisch-amerikanische Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin und lebt in den USA. Für ihre Arbeit, die sich kritisch mit den Menschen- und insbesondere Frauenrechten in der Islamischen Republik Iran befasst, wurde sie vielfach ausgezeichnet. 2009 musste sie ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen.

Das Kuratorium hat die Aktivistin aus einem sehr hochkarätigen Feld von insgesamt 30 Bewerbungen einstimmig ausgewählt. In der Begründung des Kuratoriums wurde ihr jahrelanger Einsatz für Freiheit, Gleichheit und Menschenrechte sowie ihr Mut, unter Gefahr für ihr eigenes Leben für diese Rechte einzutreten, besonders hervorgehoben.

„Der Vorschlag ist bereits im Herbst vergangenen Jahres bei der Stadt Frankfurt eingegangen, doch steht ihre Auszeichnung nun auch als starkes Zeichen für die vielen Menschen, die sich im Iran derzeit unter Einsatz ihres Lebens für Veränderungen einsetzen. An dieser Stelle möchte ich mich auch beim Kuratorium für die großartige Zusammenarbeit bedanken“, erklärte Oberbürgermeister Mike Josef.

„Masih Alinejad ist das Gesicht und die mutige Stimme der Hoffnung für Millionen von Iranerinnen und Iranern in ihrer Heimat. Ihr Einsatz für individuelle Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung steht unmittelbar in Einklang mit dem Anspruch des Paulskirchenpreises, demokratische Werte sichtbar zu machen. Mit ihrer Arbeit setzt sie sich außerdem einem erheblichen persönlichen Risiko aus“, sagte das Stadtoberhaupt.

Die Preisträgerin war überwältigt von der Entscheidung des Kuratoriums als Mike Josef ihr telefonisch die Nachricht überbrachte: „Es ist mir eine große Ehre, diese Auszeichnung zu erhalten. Ich möchte diesen prestigeträchtigen Preis den mutigen Frauen und Männern widmen, die für einen freien Iran kämpfen, wo die Demokratie sowie die Menschen- und Frauenrechte geachtet werden, und die ihr Leben für diese Werte geopfert haben. Ich danke dem Kuratorium des Europäischen Paulskirchenpreises für Demokratie, das diese Frauen und Männer ebenfalls gewürdigt hat.“

Alinejad wendet sich seit Jahren mit großer Beharrlichkeit gegen Zwangsmaßnahmen im Iran insbesondere gegen den Zwang zur Verschleierung und gegen strukturelle Einschränkungen von Frauen und Mädchen. Mit den Kampagnen „My Stealthy Freedom“ oder #WhiteWednesdays organisiert sie den friedlichen Protest gegen die systematische und umfassende Missachtung der Menschenrechte im Iran. Millionen Menschen folgen ihr in den digitalen Medien. 

Die 48-Jährige setzt ihr Engagement nicht nur öffentlich, sondern unter erheblichem persönlichem Risiko fort. Ihre kritische Arbeit gegen das Regime hat sie in ihrer Heimat zur Zielscheibe gemacht. Überall kann sie sich nur mit umfassendem Personenschutz bewegen.

Der Paulskirchenpreis richtet sich an Personen, Organisationen oder Gruppen, „die sich in herausragender Weise für Demokratie, Freiheit und den Rechtsstaat einsetzen und die Teilhabe aller an einer vielfältigen, diversen Demokratie fördern.“ Masih Alinejad widmet sich gezielt jenen Menschen – insbesondere Frauen und Mädchen –, deren Rechte systematisch unterdrückt werden.

Die Auszeichnung des Paulskirchenpreises knüpft an das historische Erbe der Paulskirche in Frankfurt am Main an, den Grundwerten wie Freiheit, Gleichheit und Teilhabe. Masih Alinejad ist eine international sichtbare Persönlichkeit, deren Arbeit über nationale Grenzen hinausreicht. Ihre Stimme stärkt das Verständnis von Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Menschenrechten in einer globalisierten Welt – gerade in Zeiten, in denen diese Werte herausgefordert sind.

Die Paulskirche steht in Europa für die demokratischen und freiheitlichen Grundwerte Deutschlands und der Europäischen Union. Ihre Bedeutung und Strahlkraft über die Grenzen Deutschlands hinaus verhelfen dem Ort zu einer weltweiten Bekanntheit als „Wiege der deutschen Demokratie“.

In der Frankfurter Paulskirche tagte im Frühjahr 1848 das erste gewählte deutsche Parlament, die Nationalversammlung, und legte damit den Grundstein für die Demokratie und den Rechtsstaat in Deutschland. Heute ist die Paulskirche lebendiger Ausgangspunkt zahlreicher großer Debatten, die das geistige Leben der Bundesrepublik grundlegend beeinflusst haben.

Der mit 50.000 Euro dotierte Paulskirchenpreis, der alle zwei Jahre vergeben wird, wird Masih Alinejad am 31. März verliehen. Die Laudatio hält Bundestagspräsidentin Julia Klöckner.

Das Kuratorium sieht mit der Auszeichnung auch einen „blinden Flecken“ in der Historie der Paulskirche als korrigiert an. Denn Frauen hatten in den Jahren 1848/1849 keine Stimme in der Nationalversammlung und waren nicht beteiligt. Hier sah das Kuratorium es als besonders passend an, gerade bei der ersten Auszeichnung einen so herausragenden Vorschlag für eine Frau zu prämieren.
 
Die Mitglieder des Kuratoriums
Mitglieder qua Amt: Hilime Arslaner, Stadtverordnetenvorsteherin; Mike Josef, Oberbürgermeister; Ina Hartwig, Kulturdezernentin; Nargess Eskandari-Grünberg, Bürgermeisterin und Diversitätsdezernentin; Astrid Wallmann, Präsidentin des Hessischen Landtages; Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestages.

Berufene Persönlichkeiten: Prof. Ulrike Ackermann, Soziologin und Publizistin; Prof. Nicole Deitelhoff, Politologin und Friedens- und Konfliktforscherin; Sebastian Krumbiegel, Musiker; Düzen Tekkal, Autorin, Menschenrechtlerin und Journalistin; Prof. Andreas Voßkuhle, Jurist und Präsident des Bundesverfassungsgerichtes a.D.; Prof. Michael Wolffsohn, Historiker und Autor. Zudem waren Prof. Wilhelm Bender und Prof. Rüdiger von Rosen beratend tätig. (ffm)