Die Steuer macht jetzt das Amt
Die Steuererklärung selbst auszufüllen, Belege zu sammeln, Formulare zu prüfen – für viele Bürgerinnen und Bürger ist das jedes Jahr aufs Neue eine Belastung. In Hessen soll damit nun für zehntausende Menschen Schluss sein. Mit dem Pilotprojekt „Die Steuer macht jetzt das Amt“ übernimmt künftig das Finanzamt selbst die Erstellung des Steuerbescheids – automatisch, digital und auf Basis bereits vorliegender Daten.
Was 2025 im Finanzamt Kassel begann, wird nun auf ganz Hessen ausgeweitet. Rund 200.000 Steuerpflichtige im Land sollen profitieren. Und das Modell zieht weitere Kreise: Hamburg, Mecklenburg‑Vorpommern, Schleswig‑Holstein und Thüringen schließen sich an. Bundesweit könnten künftig etwa 500.000 Steuerfälle ohne klassische Steuererklärung auskommen.
Frankfurt: Ein Standort mit enormem Entlastungspotenzial
Gerade in Frankfurt am Main, einem der wichtigsten Wirtschafts‑ und Finanzzentren Deutschlands, entfaltet das Projekt besondere Wirkung. In der Stadt sind nach aktuellen Erhebungen rund 44.700 Unternehmen ansässig – vom globalen Konzern über den Mittelstand bis hin zu Start‑ups und Solo‑Selbstständigen. Hinzu kommen mehrere hunderttausend einkommensteuerpflichtige Privatpersonen, darunter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Rentnerinnen und Rentner sowie Familien.
Für einen Teil dieser Privatpersonen – insbesondere solche mit überschaubaren Einkommensverhältnissen aus nichtselbständiger Arbeit oder Rente – übernimmt künftig das Finanzamt die Arbeit. Statt einer Abgabepflicht erhalten sie einen Festsetzungsvorschlag für den Steuerbescheid, dem sie aktiv zustimmen können. Nur wer abweichen möchte, muss weiterhin selbst eine Steuererklärung einreichen.
Erfolgsbilanz aus dem Pilotprojekt
Dass das Modell funktioniert, zeigt die Bilanz aus Kassel: 75 Prozent der angeschriebenen Bürgerinnen und Bürger stimmten dem vorgeschlagenen Steuerbescheid direkt zu. Lediglich vier Prozent machten zusätzliche Aufwendungen geltend, 21 Prozent reichten doch noch eine eigene Erklärung ein.
Hessens Finanzminister Professor Dr. R. Alexander Lorz sieht darin einen klaren Auftrag:
„Die Steuer das Amt machen zu lassen, trifft den Nerv der Zeit und erfüllt die Erwartungen vieler Bürgerinnen und Bürger.“ Ziel sei es, spürbar zu entlasten, ohne auf Rechtssicherheit und Gleichbehandlung zu verzichten.
Digitale Staatsmodernisierung statt Bürokratie
Das Projekt ist Teil einer umfassenden digitalen Neuaufstellung der Steuerverwaltung. Grundlage ist der länderübergreifende KONSENS‑Verbund, in dem Bund und Länder seit Jahren gemeinsam an einer einheitlichen Steuer‑IT arbeiten. Hessen gehört dabei zu den sogenannten Programmierländern und liefert technische Lösungen auch für andere Bundesländer.
Parallel dazu startet mit „MeinELSTER+“ ein weiteres Vereinfachungsinstrument: eine Steuererklärung per App mit wenigen Klicks. Während MeinELSTER+ die Abgabe erleichtert, geht die Amtsveranlagung einen Schritt weiter – sie will die Steuererklärung für geeignete Fälle ganz ersetzen.
Mehr Vertrauen durch weniger Aufwand
Auch Manfred Pentz, Hessens Minister für Entbürokratisierung, sieht in dem Projekt einen Wendepunkt: Hessen zeige, dass föderale Zusammenarbeit konkret beim Bürger ankomme. Weniger Papier, weniger Fristen, weniger Fehler – dafür mehr Transparenz und Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Staates.
Gerade für Städte wie Frankfurt mit einer hohen Dichte an Steuerpflichtigen könnte „Die Steuer macht jetzt das Amt“ zu einem Modell der Zukunft werden: Ein moderner Staat, der vorhandene Daten nutzt, Verantwortung übernimmt – und den Menschen Arbeit abnimmt, wo es sinnvoll ist.
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