Kultur

Bad Hersfelder Festspiele: Verführerische Klänge fürs Publikum

Ursprünglich eine epische Erzählung wird "Parzival – Die Suche nach dem Heiligen Gral" auf der Bühne der Bad Hersfelder Festspiele zum Schauspiel mit Musik. Das Auftragswerk erlebt somit seine Uraufführung mit eigens komponierter Musik, die von dem international renommierten Keyboarder Paul Wallfisch geschaffen wurde. Wallfisch selbst spielt bei allen Aufführungen live und hat Schlagzeug-Legende Peter „Budgie“ Clarke und den aus Nordhessen gebürtigen Multi-Instrumentalisten Martin Wenk an seiner Seite.

Paul Wallfisch über das Stück und seine Musik dazu: „Die Parzival-Legende ist eine magische, surreale Coming-of-Age-Geschichte, sowohl auf persönlicher als auch auf universeller Ebene, und die Musik wird unverzichtbar sein, um das Publikum in unsere Welt zu entführen.“ Wallfisch kennt den Festspiel-Oberspielleiter und Parzival-Regisseur Michael Schachermaier und seinen Plan für die Parzival-Inszenierung in Bad Hersfeld. „Michaels Adaption ist straff und direkt und greift die komische Seite der Geschichte des Jungen auf; unsere Rolle als Musiker und als Figuren auf der Bühne besteht darin, das Geschehen organisch zu unterstützen.“ Zwar werde es Chorelemente und gelegentlich Lieder geben, so der Komponist weiter, „…, aber wir machen definitiv kein Musical. Wir sind die Musik in Parzivals Kopfhörern und die verführerischen Klänge, die das Publikum mitreißen.“

Das Trio – als Band live auf der Parzival-Bühne agierend – spannt in seinem bisherigen Schaffen einen weiten Bogen unterschiedlicher Musikstile. In frühen Jahren der US-amerikanischen New-Wave-Musik zugeneigt, später dann Co-Musiker von Soul-Legende Little Annie und Gründer von „Botanica“, verlegte sich der Schweizer Paul Wallfisch seit etwa 2010 zunehmend auf das Komponieren von Theater-Musik. So arbeitete er für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, die Berliner Volksbühne oder auch das Wiener Burgtheater sowie das Wiener Volkstheater.

Schlagzeuger Peter „Budgie“ Clarke hat Sting („The Police“) als persönlichen Fan, der ihm einmal attestierte, Clarke spiele die Drums „fanatisch“. „Budgie“ trommelte unter anderem bei der international erfolgreichen Band „Siouxsie and The Banshees“, mit deren Sängerin er auch verheiratet war. Seit 1979 veröffentlichte er kontinuierliche Alben, mal mit einer Formation, dann wieder als Solo-Projekt mit weiteren Musikern. Heute lebt er in Berlin und veröffentlichte im Jahr 2023 zusammen mit Lol Tolhurst von „The Cure“ das Album „Los Angeles“.

Martin Wenk, geboren und aufgewachsen in Nordhessen bei Kassel, begann im örtlichen Posaunenchor mit dem Spielen der Trompete. Darauf lernte er Gitarre in verschiedenen Punk Bands und andere Instrumente wie das Keyboard, Vibrafone, Akkordeon und Mandoline. Es folgten diverse Bandformationen in Kassel, unter anderem auch mit dem „Rundfunktanzorchester Kassel" und der Country Band „Whitehazle Boys". 1998 stieß Wenk zur amerikanischen Band „Calexico“, mit der er heute noch spielt. In den letzten Jahren kamen zahlreiche andere Engagements – vorwiegend im Indie-Bereich – hinzu. Unter anderem spielte er mit „Milky Chance“ – ebenfalls aus Kassel stammend und mit den Musikpreisen „Echo“ und „1Live Krone“ ausgezeichnet – sowie mit Judith Holofernes, der Sängerin der nicht nur in Deutschland erfolgreichen Band „Wir sind Helden“. Mit seiner Band „Calexico“ arbeitete Wenk bereits 2024 gemeinsam mit Paul Wallfisch bei einer Inszenierung am Wiener Volkstheater zusammen.